Windows auf Apple Silicon – funktioniert das wirklich?

Apple Silicon und Windows
Windows auf Apple Silicon – funktioniert das wirklich?

Windows auf Apple Silicon – funktioniert das wirklich?

Mit dem Wechsel von Intel- zu Apple-Silicon-Prozessoren hat Apple die Mac-Welt grundlegend verändert. Die M1-, M2- und M3-Chips liefern beeindruckende Leistung und Energieeffizienz – doch eine Frage beschäftigt viele Nutzer weiterhin: Kann man Windows auf Apple Silicon nutzen?

Die Antwort lautet: Ja – aber anders als früher. In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt, welche Einschränkungen bestehen, wie die Performance aussieht und welche Lösung für dich die richtige ist.

Was ist Apple Silicon?

Apple Silicon ist die Bezeichnung für Apples eigene Prozessorarchitektur, die auf ARM basiert. Seit dem M1-Chip (2020) hat Apple sämtliche Macs auf diese Architektur umgestellt. Die Nachfolger M2 (2022) und M3 (2024) setzen auf noch effizientere Fertigung (5 nm bzw. 3 nm) und bieten bis zu 40 % mehr Leistung bei geringerer Leistungsaufnahme.

Chip Architektur Kerne RAM-Unterstützung GPU Fertigung
M1 ARMv8 8 (4 Performance + 4 Effizienz) bis 16 GB bis 8-Core GPU 5 nm
M2 ARMv9 8–10 bis 24 GB bis 10-Core GPU 5 nm
M3 ARMv9 bis 12 bis 36 GB bis 14-Core GPU 3 nm

Warum Windows nicht mehr nativ läuft

Früher konnten Intel-Macs problemlos mit Boot Camp starten und sowohl macOS als auch Windows nativ ausführen. Das liegt daran, dass beide Systeme auf der x86-Architektur basierten.

Apple Silicon hingegen nutzt ARM-Prozessoren, die eine andere Befehlssatzarchitektur verwenden. Windows für ARM existiert zwar, wird aber nicht offiziell für Apple-Hardware angeboten.

Microsoft lizenziert Windows 11 ARM derzeit nur für OEMs (Hersteller) und nicht als Retail-Version für Endkunden. Dennoch ist es technisch möglich, Windows ARM auf M1-, M2- und M3-Macs zu betreiben – mithilfe von Virtualisierung.

Lösungen & Alternativen

Parallels Desktop (empfohlen für die meisten Nutzer)

Parallels Desktop ist aktuell die einfachste und stabilste Lösung, um Windows auf Apple Silicon zu nutzen. Das Programm virtualisiert Windows 11 ARM, das wiederum x86-Programme emulieren kann.

  • Vorteile: Offiziell von Microsoft autorisiert, nahtlose Integration in macOS, Coherence-Mode, hervorragende Performance
  • Nachteile: Kostenpflichtig (ca. 100 €/Jahr), läuft nur virtuell

Leistung: Ein M2 Pro Mac mini mit 16 GB RAM erreicht in Parallels Desktop unter Geekbench 6 rund 7300 Punkte (Multi-Core) – nur etwa 10–15 % unter nativer macOS-Leistung.

UTM & QEMU (kostenlose Open-Source-Alternative)

UTM basiert auf QEMU, einer quelloffenen Virtualisierungsplattform, die ARM- und x86-Systeme emulieren kann.

  • Vorteile: Kostenlos, unterstützt ARM und x86-Emulation, gute Community
  • Nachteile: Langsamer, kein offizieller Support, aufwendige Einrichtung

UTM eignet sich vor allem für Entwickler und Bastler. Für produktive Windows-Nutzung ist Parallels klar überlegen.

CrossOver & Wine

Statt Windows zu virtualisieren, übersetzt CrossOver (auf Basis von Wine) Windows-APIs direkt auf macOS.

  • Vorteile: Keine Windows-Lizenz nötig, ressourcenschonend, ideal für einzelne Apps
  • Nachteile: Eingeschränkte Kompatibilität, keine vollständige Windows-Oberfläche

CrossOver eignet sich, wenn du nur einzelne Windows-Programme brauchst – etwa Buchhaltungs- oder Branchen-Software.

Cloud-PCs: Windows 365 & Shadow PC

Für Unternehmen oder professionelle Anwender bieten sich Cloud-PCs an. Hier läuft Windows nicht auf deinem Mac, sondern in der Cloud.

  • Windows 365 (Microsoft): Unternehmenslösung mit Azure-Integration
  • Shadow PC: Leistungsstarker Cloud-Computer für Privatnutzer

Vorteile: Vollständiges Windows-Erlebnis, keine lokale Performance-Abhängigkeit, zentral administrierbar

Nachteile: Stabile Internetverbindung nötig, monatliche Kosten (ab ca. 30 €/Monat)

Performance & Kompatibilität

ARM vs. x86 – was bedeutet das?

  • ARM (Apple Silicon, Windows ARM) = moderne, energieeffiziente Architektur
  • x86 (Intel/AMD) = klassische Windows-Umgebung

Windows 11 ARM kann viele x86-Programme über Emulation ausführen – aber nicht alle. 32-Bit-Apps laufen meist problemlos, 64-Bit-Apps teils langsamer oder inkompatibel.

Szenario Parallels (M2 Pro) UTM (M2 Pro) Windows 11 auf Intel i7
Bootzeit 10 Sek. 35 Sek. 8 Sek.
Office-Performance 9,5 / 10 7 / 10 10 / 10
CAD / 3D-Tools 8 / 10 5 / 10 10 / 10
Spiele (z. B. Valorant) nicht lauffähig nicht lauffähig 9 / 10

Fazit: Für Office, Entwicklung oder leichte Workloads ist Windows auf Apple Silicon mit Parallels erstaunlich performant. Für grafikintensive Apps bleibt ein klassischer Windows-PC überlegen.

Windows-Lizenz & Aktivierung auf ARM-Macs

Seit 2023 ist Parallels Desktop offiziell von Microsoft zertifiziert, um Windows 11 on ARM auszuführen. Du kannst eine reguläre Windows-11-Lizenz aktivieren (Home oder Pro) und die Aktivierung erfolgt automatisch über dein Microsoft-Konto.

Tipp: Verwende ein Microsoft-Konto mit gültiger Windows-Lizenz, um Probleme zu vermeiden. UTM-Nutzer müssen Windows ARM manuell installieren – nicht offiziell unterstützt.

Zukunftsausblick: Microsoft & Apple-Strategie

Microsoft setzt zunehmend auf Windows on ARM – besonders mit den neuen Snapdragon X Elite-Prozessoren. Apple hingegen plant kein Boot Camp für ARM-Macs. Virtualisierung bleibt also der praktikabelste Weg.

Langfristig dürfte Windows on ARM durch optimierte App-Unterstützung (x64-Emulation, native ARM-Apps) an Bedeutung gewinnen – auch für Apple-Silicon-Nutzer.

Fazit & Empfehlung

Windows auf Apple Silicon funktioniert – aber nicht nativ. Mit Parallels Desktop erhältst du die beste Kombination aus Performance und Kompatibilität. Alternativen wie UTM oder CrossOver eignen sich für spezialisierte Einsätze.

Anwendung Empfohlene Lösung
Office, Buchhaltung Parallels Desktop
Softwareentwicklung, Tests UTM / QEMU
Einzelne Windows-Apps CrossOver
Unternehmensumgebungen Windows 365 / Azure VDI
💡 Tipp: Wenn du wissen willst, welches Setup für dich optimal ist, lies unseren nächsten Guide:
👉 „Die besten Virtualisierungstools für macOS 2025“